|
In der vom Hauptverband der Finnischen Wirtschaft (EK) verfolgten neuen arbeitsmarktpolitischen Linie finden branchenbezogene Tarifverträge besondere Betonung. Es ist dies ein bedeutsamer Wandel, denn Finnland hat eine lange Tradition in zentralen Tariflösungen.
Der Hauptverband der Finnischen Wirtschaft (EK) hat für die Arbeitsmarktpolitik folgende Ziele gesetzt: Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, Weiterentwicklung der Produktivität, Erhöhung des Beschäftigungsgrades und stabiles Wachstum der Kaufkraft.
„Wegen der Internationalisierung, des immer schärferen Wettbewerbs und der sich zunehmend differenzierenden Bedürfnisse der Branchen und Betriebe sind zentrale, d.h. überfachliche Tarifverhandlungen heute kein funktionierendes Arbeitsmarktmodell mehr“, stellt Eeva-Liisa Inkeroinen, Leiterin des Arbeitsmarktsektors von EK fest.
„In dem im Wandel begriffenen Arbeitsumfeld funktioniert das so genannte Einheitsgrößen-Prinzip nicht mehr. Den Branchen und Betrieben müssen im Vergleich zu heute breitere Möglichkeiten eingeräumt werden, ihre Arbeitsbedingungen in einer die Wettbewerbsfähigkeit, die Produktivität und den Arbeitsanreiz fördernden Richtung weiterzuentwickeln.“
Arbeits- und Menschennähe
Wie Inkeroinen meint, ist man an den Arbeitsplätzen, wo man ja auch mit den Kundenwünschen konfrontiert wird, am besten über die Bedürfnisse eines Unternehmens im Bilde, und das sollte man beim Aushandeln der Tarifverträge beachten.
„Zum Beispiel die Arbeitszeiten sollten der jeweiligen Nachfrage flexibel angepasst sein: Bei Hochbetrieb arbeitet man länger, in ruhigeren Zeiten hat man entsprechend frei. Auch die Entlöhnung sollte individuell und zur Arbeit anreizend gestaltet sein.“
Die neue EK-Linie wurde widersprüchlich aufgenommen. Die Grundziele hat man nicht kritisiert, wohl aber den Wegfall der zentralen Tarifverträge - auch wenn viele gleichzeitig den Erneuerungsbedarf einsehen.
Begründete Besorgnis erregt zum Beispiel, auf welche Weise sich in dem dezentralisierten Verhandlungsmodell Maßhalten beim Festsetzen der Löhne sicherstellen lässt. „Eine diese Sache betreffende Lösung ist beim EK gegenwärtig in Vorbereitung“, bestätigt Inkeroinen.
Zusammenarbeit erforderlich
Inkeroinen sieht die Zukunft der finnischen Arbeitsmärkte in einem hellen Licht, jedoch wird die Umstellung starkes Engagement, viel Arbeit erfordern. „So ein Wandel ist stets mit Unwägbarkeiten verbunden, aber gute Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ist ja hierzulande Tradition.“
„Zusammenarbeit ist auch zukünftig auf allen Ebenen erforderlich, damit die finnischen Unternehmen und die finnische Arbeit wettbewerbsfähig bleiben. Wir brauchen nun Bereitschaft zum Wandel und Mut zu der Erneuerung.“
|