Typisch für entwickelte Wirtschaften sind ausnahmslos die große Bedeutung des Dienstleistungssektors und entsprechend ein relativ geringer Anteil der Industrie am BIP. In Finnland macht der Anteil der Dienstleistungen an der Wertschöpfung der Wirtschaft gerade erst ca. 60 Prozent aus; es liegt also auf der Hand, dass die Dienstleistungsbranchen in den nächsten Jahrzehnten weiter an Bedeutung gewinnen werden. Im internationalen Vergleich liegt die Quote der Industrie immer noch hoch, auch wenn sie inzwischen auf reichlich 30 Prozent zurückgegangen ist. Rund ein Viertel sämtlicher Dienstleistungen wird vom öffentlichen Sektor erbracht – auch das eine ungewöhnliche Situation. Nach internationalen Maßstäben hat also der private Dienstleistungssektor in Finnland noch jede Menge Wachstumsspielraum.
Dienstleistungen von Business to Business…
Die Bedeutung der Dienstleistungen wächst aus mehreren verschiedenen Gründen. Neue Ideen auf diesem Gebiet erhöhen die Nachfrage, und die von den Unternehmen angebotenen Waren enthalten zunehmend mehr Dienstleistungen. Die Unternehmen wollen nicht mehr nur materielle Produkte, sondern zum Beispiel auch Wartungsverträge verkaufen, die ihnen auf lange Sicht gleichmäßige Einnahmen garantieren. Gute Beispiele dafür sind die Maschinen- und Gerätehersteller und die IT-Unternehmen. Die Firmen spezialisieren sich auch und konzentrieren sich auf Gebiete, in denen sie wirklich gut sind. Alles andere wird von Zulieferern bezogen, die sich ihrerseits auf bestimmte Bereiche spezialisiert haben. Die auf Business orientierte Dienstleistungstätigkeit ist denn auch eine der in den letzten Jahren am rasantesten gewachsenen Branchen. Die abgedroschene Weisheit, der Wohlstand einer Nation könne sich nicht dadurch erhöhen, dass die Menschen einander mit Dienstleistungen überschütten, lässt die Business-to-Business-Dienstleistungen außer Acht.
… und von Mensch zu Mensch
Die Nachfrage der Haushalte nach Dienstleistungen nimmt im Allgemeinen mit wachsendem Einkommen und Alter der Menschen zu, und in Finnland ist für solches Nachfragewachstum reichlich Potenzial vorhanden. Die Vergabe von Haushaltsarbeiten zum Beispiel steckt noch in den Kinderschuhen. Für so arbeitsintensive Tätigkeit wie Raumpflege gab es in Finnland bis vor wenigen Jahren nicht einmal funktionierende Märkte. Seit die Kosten für Haushaltshilfe von der Steuer abgesetzt werden können, entstand eine neue Branche mit guten Wachstumsmöglichkeiten. Das Aufblühen der Wohnungsmärkte bedeutete auch Aufwind für die Dienstleister der Bereiche Bau, Reparatur und Inneneinrichtung. In den nächsten zwanzig Jahren wird sich infolge des altersbedingten Ausscheidens der starken Jahrgänge aus dem Arbeitsleben die Nachfrage nach Haushalts-, Pflege- und Gesundheitsdienstleistungen erhöhen. Diese zukünftigen Rentner sind im Durchschnitt bedeutend besser bei Kasse und mehr an Dienstleistungen gewöhnt als die heutigen Pensionäre.