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Technik und Psychologie werden in der Zukunft immer enger
miteinander verknüpft sein. Bei der humanorientierten
Planung von technischen Geräten und Einrichtungen haben
auch die Benutzer ein Wörtchen mitzureden. Finnland befindet
sich besonders in der humanorientierten Entwicklung von Mobiltechnologie
im Aufwind.
Psychologie wird in der Technik seit langem genutzt, aber
unter wechselnden Gesichtswinkeln. Während des Zweiten
Weltkrieges begann man sich mit dem Problem der menschlichen
Fehler besonders in der Flugsicherheit zu befassen. Damit
begann die Entwicklung von Forschung in mehreren Disziplinen.
Mit dem Einzug der Computer entstand auch der Fachbereich
Human Computer Interaction - eine Wissenschaft, die sich mit
der Wechselwirkung zwischen Mensch und Maschine befasst. Die
benutzerorientierte Planung ist ein Teilbereich der HCI",
erläutert Psychologieprofessorin Sari Kujala vom
Institut für Humanorientierte Technologie der Universität
Tampere.
Technik im Verbund mit Psychologie
Die praktische Planungs- und Konstruktionsarbeit liegt traditionell
in den Händen von Ingenieuren, deren Ausbildung auf das
Verständnis der Technik, nicht aber des Menschen ausgerichtet
ist. Prof. Kujala und ihr Institut haben sich das Ziel gesetzt,
menschliche Gesichtspunkte stärker in die Planung einzubinden
und die Psychologie vielseitiger als bisher bei der Entwicklung
der Technik zu nutzen.
HCI ist eine multidisziplinäre Wissenschaft, in
der besonders die kognitive Psychologie, d.h. die mit der
Informationsverarbeitung durch den Menschen verbundene Psychologie
genutzt worden ist", unterstreicht Prof. Kujala.
Das benutzerorientierte Planen zielt darauf ab, die Nützlichkeit
und Gebrauchstauglichkeit (usability) von Systemen, Produkten
und Dienstleistungen zu gewährleisten. Neben Kunden-
und Benutzerzufriedenheit bringt benutzerorientiertes Planen
den Unternehmen auch andere Vorteile.
Zunehmende Bekanntheit
In sicherheitskritischen Bereichen ist humanorientierte Technologie
bestens bekannt, und die Unternehmen dieser Branchen beschäftigen
auch Psychologen. Auch in der Personalverwaltung und -rekrutierung
wird Psychologie aktiv eingesetzt.
In der Informationstechnik ist HCI eine relativ neue
Erscheinung. Die Ausbildung von Fachkräften hat erst
begonnen, und in diesem Bereich haben sich zahlreiche Consulting-Unternehmen
etabliert", sagt Prof. Kujala.
Das Institut ist auch aktiv bemüht, humanorientiertes
Planen zu einer alternativen Studienrichtung auszubauen. Die
neuen Studienabschnitte sind für alle Technik-Studenten
von den Architekten bis hin zu den Maschinenbauern gedacht.
Zunehmend menschenorientiertes Planen
Die Einbeziehung humanorientierten Planens in die Ausbildung
zeigt bereits Erfolge: Die Produkte sind in ihrer Benutzung
einfacher und angenehmer geworden und entsprechen auch besser
ihrem Einsatzzweck.
Spitzenländer im benutzerorientierten Design waren bisher
die USA und Großbritannien. Skandinavien ist in der
Branche bekannt für seine Art der Einbeziehung der Benutzer
bei der Planung zukünftiger Technik.
Finnland, so Prof. Kujala, gehört zu den Vorreitern
namentlich im Bereich der humanen Technik. Finnland
hat heute besonders in der Mobiltechnologie und in der Nutzung
der Psychologie starken Auftrieb."
Auch die Einstellung der Verbraucher beginnt sich zu
ändern. Hat man Probleme mit der Technik, beschuldigt
man nicht mehr nur sich selbst, sondern fordert auch eine
bessere Planung", konstatiert Prof. Kujala.
Vielfältiger klarer Nutzen
Trotz allmählichen Wandels der Situation stellt die
Übertragung der humanorientierten Planung auf die praktische
Produktentwicklung nach wie vor eine Herausforderung dar.
Den Ingenieuren ist diese Sichtweise noch fremd. Bei
der oft hektischen Produktentwicklungsarbeit bleibt dafür
einfach nicht genügend Zeit. Auch fragt man sich in den
Unternehmen, ob sich der Aufwand für benutzerorientierte
Planung überhaupt lohnt, d.h. wie es um den geschäftlichen
Nutzen bestellt ist."
In einschlägigen Untersuchungen konnte nachgewiesen
werden, dass humanorientiertes Planen sehr wohl konkreten
Nutzen bringt. So erhöhte sich zum Beispiel die Arbeitseffektivität
der Benutzer um durchschnittlich 50 Prozent, die Beschäftigten
machten 25 Prozent weniger Fehler und die Fluktuation des
Personals ging um 10 bis 20 Prozent zurück", zählt
Prof. Kujala auf.
Humanorientierte Planung als Studienpaket
Das Institut für Humanorientierte
Technologie der Universität Tampere bietet
ab Herbst 2007 humanorientierte Planung als
Studienpaket.
Eine so vielseitige Annäherungsweise
an die humanorientierte Planung findet man sonst
nirgends", konstatiert Psychologieprofessorin
Sari Kujala.
Ziel dieses Angebots ist es, Technik-Studierenden
auf vielseitige, anwendungsorientierte Weise
Humanwissenschaften zu lehren, damit sie bei
der Technikplanung den Menschen besser zu berücksichtigen
in der Lage sind.
Die Studierenden erlangen u.a.
die Fähigkeit, menschliche Bedürfnisse
zu verstehen und menschliche Tätigkeit
so zu modellieren, dass sie von der neuen Technik
besser unterstützt wird. In dem Studienpaket
werden auch die Bereiche menschliche Emotion
und Motivation, Gruppenverhalten, Wechselwirkung,
Konsumpsychologie, Ästhetik, Kreativitätspsychologie
sowie multikulturelle Planung behandelt.
Dieses Studienangebot ist
- nach kurzem Zögern - auf reges Interesse
gestoßen. Auch die Professur für
Psychologie an einem technologischen Institut
hat einiges Aufsehen erregt", berichtet
Prof. Kujala.
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