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Durch benutzerorientierte Planung
humanere Technik

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15.06.2007
 

 
 

Technik und Psychologie werden in der Zukunft immer enger miteinander verknüpft sein. Bei der humanorientierten Planung von technischen Geräten und Einrichtungen haben auch die Benutzer ein Wörtchen mitzureden. Finnland befindet sich besonders in der humanorientierten Entwicklung von Mobiltechnologie im Aufwind.

Psychologie wird in der Technik seit langem genutzt, aber unter wechselnden Gesichtswinkeln. Während des Zweiten Weltkrieges begann man sich mit dem Problem der menschlichen Fehler besonders in der Flugsicherheit zu befassen. Damit begann die Entwicklung von Forschung in mehreren Disziplinen.

„Mit dem Einzug der Computer entstand auch der Fachbereich Human Computer Interaction - eine Wissenschaft, die sich mit der Wechselwirkung zwischen Mensch und Maschine befasst. Die benutzerorientierte Planung ist ein Teilbereich der HCI", erläutert Psychologieprofessorin Sari Kujala vom Institut für Humanorientierte Technologie der Universität Tampere.

Technik im Verbund mit Psychologie

Die praktische Planungs- und Konstruktionsarbeit liegt traditionell in den Händen von Ingenieuren, deren Ausbildung auf das Verständnis der Technik, nicht aber des Menschen ausgerichtet ist. Prof. Kujala und ihr Institut haben sich das Ziel gesetzt, menschliche Gesichtspunkte stärker in die Planung einzubinden und die Psychologie vielseitiger als bisher bei der Entwicklung der Technik zu nutzen.

„HCI ist eine multidisziplinäre Wissenschaft, in der besonders die kognitive Psychologie, d.h. die mit der Informationsverarbeitung durch den Menschen verbundene Psychologie genutzt worden ist", unterstreicht Prof. Kujala.

Das benutzerorientierte Planen zielt darauf ab, die Nützlichkeit und Gebrauchstauglichkeit (usability) von Systemen, Produkten und Dienstleistungen zu gewährleisten. Neben Kunden- und Benutzerzufriedenheit bringt benutzerorientiertes Planen den Unternehmen auch andere Vorteile.

Zunehmende Bekanntheit

In sicherheitskritischen Bereichen ist humanorientierte Technologie bestens bekannt, und die Unternehmen dieser Branchen beschäftigen auch Psychologen. Auch in der Personalverwaltung und -rekrutierung wird Psychologie aktiv eingesetzt.

„In der Informationstechnik ist HCI eine relativ neue Erscheinung. Die Ausbildung von Fachkräften hat erst begonnen, und in diesem Bereich haben sich zahlreiche Consulting-Unternehmen etabliert", sagt Prof. Kujala.

Das Institut ist auch aktiv bemüht, humanorientiertes Planen zu einer alternativen Studienrichtung auszubauen. Die neuen Studienabschnitte sind für alle Technik-Studenten von den Architekten bis hin zu den Maschinenbauern gedacht.

Zunehmend menschenorientiertes Planen

Die Einbeziehung humanorientierten Planens in die Ausbildung zeigt bereits Erfolge: Die Produkte sind in ihrer Benutzung einfacher und angenehmer geworden und entsprechen auch besser ihrem Einsatzzweck.

Spitzenländer im benutzerorientierten Design waren bisher die USA und Großbritannien. Skandinavien ist in der Branche bekannt für seine Art der Einbeziehung der Benutzer bei der Planung zukünftiger Technik.

Finnland, so Prof. Kujala, gehört zu den Vorreitern namentlich im Bereich der humanen Technik. „Finnland hat heute besonders in der Mobiltechnologie und in der Nutzung der Psychologie starken Auftrieb."

„Auch die Einstellung der Verbraucher beginnt sich zu ändern. Hat man Probleme mit der Technik, beschuldigt man nicht mehr nur sich selbst, sondern fordert auch eine bessere Planung", konstatiert Prof. Kujala.

Vielfältiger klarer Nutzen

Trotz allmählichen Wandels der Situation stellt die Übertragung der humanorientierten Planung auf die praktische Produktentwicklung nach wie vor eine Herausforderung dar.

„Den Ingenieuren ist diese Sichtweise noch fremd. Bei der oft hektischen Produktentwicklungsarbeit bleibt dafür einfach nicht genügend Zeit. Auch fragt man sich in den Unternehmen, ob sich der Aufwand für benutzerorientierte Planung überhaupt lohnt, d.h. wie es um den geschäftlichen Nutzen bestellt ist."

„In einschlägigen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass humanorientiertes Planen sehr wohl konkreten Nutzen bringt. So erhöhte sich zum Beispiel die Arbeitseffektivität der Benutzer um durchschnittlich 50 Prozent, die Beschäftigten machten 25 Prozent weniger Fehler und die Fluktuation des Personals ging um 10 bis 20 Prozent zurück", zählt Prof. Kujala auf.

 


Humanorientierte Planung als Studienpaket

Das Institut für Humanorientierte Technologie der Universität Tampere bietet ab Herbst 2007 humanorientierte Planung als Studienpaket.

„Eine so vielseitige Annäherungsweise an die humanorientierte Planung findet man sonst nirgends", konstatiert Psychologieprofessorin Sari Kujala.

Ziel dieses Angebots ist es, Technik-Studierenden auf vielseitige, anwendungsorientierte Weise Humanwissenschaften zu lehren, damit sie bei der Technikplanung den Menschen besser zu berücksichtigen in der Lage sind.

Die Studierenden erlangen u.a. die Fähigkeit, menschliche Bedürfnisse zu verstehen und menschliche Tätigkeit so zu modellieren, dass sie von der neuen Technik besser unterstützt wird. In dem Studienpaket werden auch die Bereiche menschliche Emotion und Motivation, Gruppenverhalten, Wechselwirkung, Konsumpsychologie, Ästhetik, Kreativitätspsychologie sowie multikulturelle Planung behandelt.

„Dieses Studienangebot ist - nach kurzem Zögern - auf reges Interesse gestoßen. Auch die Professur für Psychologie an einem technologischen Institut hat einiges Aufsehen erregt", berichtet Prof. Kujala.

 



>> www.cs.tut.fi/ihte/

 

 
 

Humanorientierte Technologie
Die erste ISO-Norm für humanorientierte Planung wurde 1999 herausgegeben.

 

 
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