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Finnland als weltführendes Land im E-Banking erlebt
da gerade seine zweite Revolution. Schon nach dem ersten Umbruch
erledigten fast alle Finnen ihre Bankangelegenheiten weitgehend
übers Internet, jetzt sind wieder die Unternehmen am
Zug und führen die elektronische Rechnungsstellung ein.
In dieser zweiten Revolution ist von E-Unterschriften, E-Zahlung
in Echtzeit und ganz besonders auch von der Benutzung der
Internetbanken zur Übermittlung von E-Rechnungen die
Rede. Finnlands größte Internetbank - Nordea -
lancierte im Inland vor einem Jahr ein E-Fakturierungskonzept,
dessen sich heute schon fast 25 000 Firmen bedienen, und ihre
Zahl wächst ständig.
"Dank unserer Internetbanken trifft man sonst nirgends
in der Welt auf so viel Routine im und so viel Vertrauen in
den elektronischen Zahlungsverkehr wie in Finnland. Nirgends
sonst wurden globale Standards so einheitlich eingeführt,
und nirgends sonst ist man in der E-Fakturierung so weit wie
bei uns", erklärt Bo Harald, stellvertretender Geschäftsführer.
Harald spricht von einer echten Sensation, die Finnland ins
Licht der Weltöffentlichkeit rückt und eine gute
Grundlage auch für den Export von Consulting und IT-Anwendungen
schafft.
Diese Entwicklung hat starke internationale Aufmerksamkeit
erregt. "In der Europäischen Union und der Europäischen
Zentralbank ist man höchst interessiert an der Sache.
Wir bekommen wöchentlich Besuch von Bank- und anderen
Delegationen", berichtet Harald.
Rechnung ins Netz, Holz nach China
Die Auswirkungen der zunehmend freieren Weltwirtschaft auf
die Wettbewerbslage von Unternehmen und Staaten sind inzwischen
sehr klar zutage getreten. Nur proaktive Maßnahmen zur
Senkung des Kostenniveaus und ständige Entwicklungsarbeit
zur Erzeugung von Mehrwert garantieren heute Erfolg",
stellt der Banker klar.
"Verständnis der elektronischen Prozesse ist hoch
wichtig, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit Finnlands
geht. Wir haben jetzt Konzepte in der Hand, mit denen wir
auf neuartige Weise Kosten einsparen und die Produktivität
und Qualität und vor allem auch den Kundendienst verbessern
können."
Als Massenmarktlösung stellt die E-Fakturierung, so
Harald, gegenwärtig wahrscheinlich den bedeutendsten
in Sicht befindlichen Kostensparfaktor sowohl in Unternehmen
wie auch im öffentlichen Sektor dar. So verursacht zum
Beispiel in Finnland die Bearbeitung der jährlich fast
vier Millionen Papierrechnungen in den staatlichen Ämtern
Kosten von rund 120 Mio. Euro, setzt man die Kosten der Einzelrechnung
mit durchschnittlich 30 Euro an.
Herkömmliche Rechnungen bedeuten auch eine erhebliche
Umweltbelastung. Um in Europa 20 Milliarden Papierrechnungen
verschicken zu können, müssen 10 bis 16 Millionen
Bäume gefällt und in die Fabriken transportiert
werden. Dort werden daraus 400 000 Tonnen Papier hergestellt,
die dann weiter in Druckereien und schließlich zur Post
befördert werden müssen.
"Das alles ist völlig unnötig. Für Europa
fällt die Handelsbilanz günstiger aus, wenn dieses
Papier nach China, wo satte Nachfrage dafür besteht,
exportiert wird", meint Harald lächelnd.
E-Fakturierung - patriotisches Handeln
Harald zitiert Esko Aho, den Präsidenten des Nationalen
Fonds für Forschung und Entwicklung (Sitra): "Hoher
Vernetzungsgrad der Wirtschaft ist ein enormer Wettbewerbsvorteil.
Finnland war als Entwickler von Technologie Weltspitze. Nun
ist es an der Zeit, auch in der Technologienutzung den Weltmeistertitel
zu holen."
"Die grenzenlosen Märkte werden eine schnelle Elektronisierung
erfahren. Was gestern - wegen zu teurer Technologie - nicht
machbar war, ist heute die einzige Möglichkeit",
fügt Harald hinzu.
In der vernetzten Wirtschaft bedienen sich die Unternehmen
im Geschäft elektronischer Mittel, und auch der öffentliche
Sektor zieht da mit. Die Umstellung kann rasch erfolgen, weil
ja die E-Fakturierung auf einem fertigen europäischen
Standard basiert und von kleinen Unternehmen keinerlei Investitionen
erfordert. "In der EU brauchen 15 Millionen Unternehmen
diesen Service", rechnet Harald vor.
In Finnland, meint Harald, ist E-Fakturierung geradezu eine
patriotische Pflicht. Demjenigen, der ihm auch nur einen Grund,
nicht zu E-Rechnungen überzugehen, nennt, will der Bankdirektor
eine Flasche Champagner spendieren.

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