|
Krister Ahlström, der Grand old design man",
ist überzeugt: Design wird zu einem ernst zu nehmenden
Wettbewerbsfaktor Finnlands. Das Design Thinking öffnet
die Türen zu neuen Innovationen und vermehrter Wettbewerbskraft.
Nach internationalen Untersuchungen besteht eine starke Korrelation
zwischen der Wettbewerbsfähigkeit und dem Designaufwand
eines Landes: Je wettbewerbsstärker das Land, desto höher
seine Designintensität.
Als vor zehn Jahren mit dem Start des nationalen Programms
Muotoilu 2005!" der Grundstein dafür gelegt
wurde, Finnland zu einem Vorreiter in der Nutzung des Designs
zu machen, setzte man sich zum Ziel, das Design zu einem integrierten
Bestandteil des Innovationssystems zu machen und ein dynamisches
Designsystem zu schaffen.
Die Situation scheint nun günstig. Das industrielle
Design entwickelt sich zu einem reifen Kompetenzbereich",
meint Krister Ahlström, der Architekt der finnischen
Designpolitik, der u.a. beim Finnish Design Roundtable mitwirkt.
Keine Kunst, sondern Business
In punkto Designkompetenz gehört Finnland zur Weltspitze;
in der Umsetzung dieses Könnens in Produkte gibt es jedoch
noch eine Menge zu tun.
Immer noch muss die Bedeutung des Designs begründet
und erklärt werden, und die Unternehmen sind oft nicht
mit dem notwendigen Ernst bei der Sache, aber die Entwicklung
geht da in eine günstige Richtung", schildert Ahlström.
Viele Designbüros haben inzwischen erkannt, dass Gestaltung
Business ist - allerdings hapert es noch bei der Realisierung.
Die Designbüros sollten lernen, Design als Business,
nicht als Kunst zu behandeln. Anderseits sollten die Unternehmen,
die Design erwerben, lernen, geschickter einzukaufen",
fasst Ahlström zusammen.
Design ist ein Werkzeug, dessen Gebrauch gekonnt sein
will. Um ein Spitzenviolinist zu werden genügt es eben
nicht, eine Stradivari zu kaufen, man muss auch fleißig
üben."
Hinter allem steht Design
Design Thinking erstreckt sich auf alle Bereiche, denn Design
ist überall: in Produkten, Dienstleistungen, Produktionsprozessen,
in der Umwelt, der Kommunikation, der Unternehmensidentität...
Design bietet Lösungen, bringt Mehrwert und verhilft
Unternehmen zu mehr Wettbewerbskraft. Vor allem aber ist Design
der Schlüssel zu einem tiefen Verständnis der Verbraucher.
Designerische Kompetenz hilft dem Unternehmen, seine
Kunden bis ins letzte zu verstehen, und dieses Verständnis
verändert die gesamte Schaffenskultur", betont Ahlström
und fährt fort: "Machte man früher das, was
technisch möglich war, so wird in Zukunft das Schaffen
immer deutlicher auch auf dem tiefen Verständnis des
Nutzers basieren. Die Designorientiertheit gewinnt auf Kosten
der Technikorientiertheit an Boden."
Weltspitze im Design-Business repräsentieren Nordamerika
und Großbritannien. Spitzenkompetenz basiert auf
Kommunikationsvermögen. Es ist kein Zufall, dass auch
die renommiertesten Werbeagenturen in den anglosächsisch
geprägten Ländern entstanden sind."
Der Designer bringt die bewussten und unbewussten Wünsche
des Nutzers und seine Denkenswelt ans Licht. Visualisierung
ist eine anspruchsvolle und wichtige Aufgabe, die ohne Kommunikation
nicht zu meistern ist."
Die Innovations-Uni kommt
Erfolgreiche Innovationen sind das Ergebnis des engen Zusammenwirkens
dreier Faktoren: technischer Überlegenheit, Design-Spitzenkönnens
und Business-Kompetenz.
Technologie, Design und Business-Kompetenz werden auf einzigartige
Weise zusammentreffen wenn im Jahr 2009 die Zusammenlegung
der Handelshochschule Helsinki, der Technischen Universität
und der Hochschule für angewandte Kunst zu einer Innovations-Uni
erfolgt.
Diese Innovations-Universität ist gegenwärtig
einzigartig in der Welt. Sie unterstützt die finnische
Designpolitik und verleiht ihr neues Gewicht", schwärmt
Ahlström.
>> Helsinki Design
Week weckt Begeisterung
Asien beginnt im Design mitzumischen
Das Design schöpfte bisher
in hohem Maße aus der anglosächsischen
Kultur, aber zukünftig wird da auch Asien
ein gewichtiges Wörtchen mitreden.
In den nächsten 10 bis 20 Jahren
wird das asiatische Design einen starken Einfluss
ausüben. Wir wissen noch nicht in welcher
Form, aber fest steht, dass es so kommen wird.
Und die Veränderungen könnten sehr
beträchtlich sein", sinniert Krister
Ahlström.
Asien stellt uns vor eine große Herausforderung.
Deshalb haben die pfiffigsten Unternehmen in
Asien bereits Forschungsinstitute gegründet
und begonnen, die dortigen Konsumentenbedürfnisse
zu untersuchen, denn man wird sich zukünftig
auch auf die asiatischen Bedingungen und Wünschen
einstellen müssen.
Der indische Sari ist nun einmal anders als
der finnische Marimekko-Rock", vergleicht
Ahlström.
|
|

|