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Das Herz der ersten von der Europäischen Weltraum-Organisation
ESA zum Mars geschickten Sonde stammt aus Finnland. Mit dem
Mars Express befindet sich aber auch andere finnische Technologie
auf dem Wege zu diesem Planeten. Die Beteiligung Finnlands
an der Mission zeugt von langfristiger Arbeit auf diesem Gebiet
und hohem technologischen Können.
Man sagt, jedes Unternehmen, das zu Weltraumvorhaben hinzugezogen
wird, könne sich zum Bestehen in einem extrem strengen
Ausleseprozess gratulieren. Den Zutritt zur Mars-Express-Mission
verschafften sich die Finnen auf Grund in früheren Vorhaben
erlangter Referenzen.
Finnland kann sogar als auf diesem Gebiet erfahrenster Kleinstaat
gelten, ist es doch seit dem Jahr 1985 an mehreren Mars-Vorhaben
beteiligt gewesen. Die finnische Spezialkompetenz im Sondenbau
erstreckt sich auf Konstruktionen sowie Daten- und Stromverteilungssysteme.
In Finnland wurden bisher für Raumfahrtzwecke u.a. mehr
als zehn Computer gebaut, die alle einwandfrei funktioniert
haben.
Das Herz sorgt für die Energieübertragung
Die auf Wehr-, Luftfahrt- und Raumfahrttechnologie spezialisierte
Firma Patria hat sich im Laufe der Jahre vom Lieferanten von
Instrumenten-Stromversorgungseinheiten zum Hersteller hochkomplexer
Gerätegesamtheiten für Satelliten entwickelt.
Für den Mars Express hat Patria die auch als Herz der
Sonde bezeichnete Energieverteilungsanlage (PDU, Power Distribution
Unit) gebaut, die von zentraler Bedeutung für die gesamte
Leistungsfähigkeit der Raumsonde ist. Diese Einheit sorgt
dafür, dass Energie stets dort und dann vorhanden ist,
wo und wenn sie gebraucht wird. Die PDU speist die vom Sonnenkollektor
kommende Elektroenergie in die Geräte und Messinstrumente
der Sonden-Subsysteme. Sie hat die Aufgabe, durch diverse
Schutz-, Überwachungs- und Steuerungsmaßnahmen
die Funktionsfähigkeit der Sonde auch dann sicherzustellen,
wenn irgendeines der Einzelgeräte ausfallen sollte. Außerdem
werden über die PDU einmalige Funktionen wie zum Beispiel
das Ausfahren der Sonnenkollektoren und Antennen und der Start
der Landefähre Beagle-2 ausgelöst.
An der Mars-Express-Mission wirkt auch das Meteorologische
Institut Finnlands mit, das für den Computer und die
Software des Teilchenmessgeräts und das Druckmessgerät
der Landefähre Beagle-2 zuständig ist. Beteiligt
an dem Vorhaben waren außerdem etwa zehn finnische Zulieferer
und die Uni Helsinki. Die Mars-Express-Mission ist Teil des
Wissenschaftlichen Programms der Europäischen Raumfahrt-Organisation
ESA. Die finnische Mitarbeit bei diesem Programm der ESA wird
vom Zentrum für Technologischen Entwicklung (Tekes) koordiniert
und finanziert.
Wichtigster Qualitätsfaktor ist die Zuverlässigkeit
Patria verfügt in Finnland über die einzige von
der ESA akzeptierte Elektronikplatinen-Herstellungsanlage.
Die Tätigkeit basiert auf den von der European Cooperation
for Space Standardization (ECSS) herausgegebenen Normen, die
sich auf drei Teilbereiche erstrecken: Projektleitung, Produkt-Qualitätssicherung
und Konstruktionsanweisungen.
Bei Weltraumunternehmungen hat jedes Subsystem, jede Komponente,
wird die defekt, mit hoher Wahrscheinlichkeit Auswirkungen
auf die gesamte Sonde. Deshalb muss jedes Detail mit größter
Sorgfalt und dokumentiert gemäß den vereinbarten
Normen verwirklicht werden. In Raumfahrtvorhaben kann es einfach
keine zweitrangigen Dinge geben.
In der Raumfahrt bedeutet Spitzentechnologie jedoch nicht
immer die neueste Technologie, sondern vielmehr die Anwendung
probater Technologie in der anspruchsvollen Umgebung des Weltraums.
Weltraumtechnologie ist teuer, weil zum Beispiel die funktionellen
Tests viel Zeit und Spezialumgebungen erfordern.
Beim Mars-Express-Vorhaben konnte Patria die PDU von der
früheren Rosetta-Sonde kopieren. Eine Weiterentwicklung
erfuhr diese Kompetenz dann bei den ESA-Projekten CryoSat,
Venus Express und Herschel. Zur Zeit fliegen auch in den Satelliten
SOHO, XMM, Cluster, PROBA und Envisat von Patria hergestellte
Komponenten im Weltraum.
Zur kommenden Weihnachtszeit erreicht der Anfang des Sommers
gestartete Mars Express seine Umlaufbahn um den Mars, und
Beagle-2 landet auf dem Roten Planeten.


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