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Obgleich in der Informationsgesellschaft das Qualitätssystem
schon eine fast ebenso selbstverständliche Sache wie
etwa die Gewinn- und Verlustrechnung ist, so hat doch die
Qualität als Wettbewerbsfaktor keineswegs an Bedeutung
verloren. Vorzügliches zu leisten ist nach wie vor mit
Schweiß verbunden. Professor Paul Lillrank zählt
die Herausforderungen des modernen Unternehmens auf: Wille
zum Verständnis der Kundenbedürfnisse, Fähigkeit
zu kommunizieren und das richtige Wissen zu schaffen und Beherrschung
der Steuerungsinformation in allen Stufen des Projektes.
Als Folge der strukturellen Veränderungen des Wirtschaftslebens
gibt es in der heutigen Gesellschaft immer weniger Arbeit
mit Wiederholungscharakter. Der Schwerpunkt der industriellen
Tätigkeit von Ländern wie Finnland hat sich auf
Bereiche mit hoher Wertschöpfung und zunehmend stärkerer
Bedeutung der Warenzeichen, der brands", verlagert.
Erreichen lässt sich so etwas durch technologiebasierte
Produktführerschaft und durch schnelles und anpassungsfähiges
Design", meint Professor Paul Lillrank von der TU Helsinki.
Ein zunehmender Teil des Wohlstandes gründet sich auf
Einzel- oder in kleinen Serien herzustellende Produkte und
maßgeschneiderte Lösungen. Auch viele von Angestellten
und Dienstleistern zu erledigende Arbeiten erfahren eine Veränderung
von sich wiederholenden Standardverrichtungen zu situationsspezifisch
wechselnden Routinen, die man mit Hilfe von Prozessbeschreibungen
zu lenken versucht.
Auch wenn gewisse sich wiederholende Unterstützungsprozesse
standardisiert werden können, so entsteht der eigentliche
Wert der Arbeit dennoch durch nicht routinemäßiges,
kreatives Schaffen. Im Projektgeschäft hat jede Arbeit
Unikatcharakter.
Grad des Einvernehmens
Die Forderung nach immer höherem Mehrwert wird in der
Zunahme der Informationsintensität und des Experteneinsatzes
sichtbar. Heute genügt als Qualitätskriterium nicht
die Fehlerlosigkeit eines Produkts oder einer Leistung, sondern
gefordert wird auf Information und Kommunikation basierendes
Einvernehmen.
Professor Lillrank spricht von interaktiver Qualität.
Weil der Kunde nicht unbedingt seine Ziele zu erkennen, zu
definieren vermag, ist das Endergebnis nicht prognostizierbar
und kann auch nicht auf fertig vorliegende Konzepte gegründet
werden. Der Bedarf wird in Wechselwirkung geklärt, und
das Endergebnis kann anders ausfallen als sich der Kunde es
ursprünglich vorstellte.
Qualitätskriterium ist der Grad des Einvernehmens,
der sich im Dialog ergibt. Kann der Bedarf des Kunden nicht
mit ausreichender Exaktheit artikuliert werden, gibt es Probleme,
und das Resultat entspricht nicht dem, was dem Kunden vorschwebte."
Von Kunst zur Wissenschaft
Eine Untersuchung des aktuellen Zustands der Qualität
in Finnland ergab, dass das bedeutendste Hindernis für
gute Qualität namentlich schlechte oder mangelnde Information
ist. Das Hauptproblem ist nicht die eigentliche Fertigung,
sondern das, was wann gemacht werden müsste oder was
die anderen machen.
Zwar hat die Informationstechnik die Wissensmenge zur
Lenkung von Tätigkeiten gewaltig erhöht, aber fraglich
ist, ob diese überhaupt an Qualität gewonnen hat.
In der vernetzten Gesellschaft und im Projektgeschäft
sind derart viele Akteure im Spiel, dass die Fehlerwahrscheinlichkeit
wächst wenn die Steuerungsinformation ins Straucheln
kommt. Die größte Herausforderung in nächster
Zukunft besteht somit in der Entwicklung neuer Verfahren,
Instrumente und Blickwinkel für das Management der Informationsqualität.
Es mangelt an einer gediegenen Theorie über die Qualität
in sich nicht wiederholenden Prozessen, und es gibt nicht
eine Methode zur Lösung derartiger Probleme. Das Projektgeschäft
ist durch ständige Entwicklung so zu trimmen, dass schließlich
in keiner Phase des Prozesses Fehler entstehen. Neben der
Sicherung der Prozessmodellierung ist auch für Modellierung
der prozesssteuernden Information zu sorgen.
Es dauert allerdings seine Zeit bis das Streben nach
ausgezeichneten Ergebnissen eher Wissenschaft denn Kunst ist",
verkündet der Professor.


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Sich spezialisierende Unternehmen bedürfen der Anleitung
(9.10.2003)
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