|
Innere Fichtenzweige, so hat man gefunden, enthalten reichlich
gesundheitsfördernde Wirkstoffe, die sich für Medikamente,
Functional Food und Chemikalien nutzen lassen. Das erste Fichtenprodukt
ist bereits im Handel.
Das aus Fichtenzweigen isolierte Hydroxymatairesinol (HMR),
ein Lignan, verzögert nachweislich die Entwicklung hormonaler
Krebsarten wie Brust-, Prostata- und Darmkrebs erheblich.
HMR ist ein starkes Antioxydans und ein mildes Östrogen
und könnte somit auch günstige Wirkung bei Herz-
und Gefäßerkrankungen wie auch anderen von weiblichen
Hormonen beeinflussten gesundheitlichen Problemen, etwa klimakterische
Beschwerden und Knochenschwund, haben.
Fichtenzweige als HMR-Quelle
Über Lignane des Holzes wurde an der Åbo Akademi
in Turku seit den 1970er Jahren geforscht. Eine bemerkenswerte
Wende trat Anfang der 90er Jahre ein, als die Åbo Akademi
und die Uni Turku mit Untersuchungen über eventuelle
hormonale Wirkungen der Lignane begannen.
Zunächst wurden nur geringe Wirkungen festgestellt.
Als man aber dann einige Jahre später Lignane in einem
neuen Krebstest testete, erhielt man positive Ergebnisse.
Das Biopharmaunternehmen Hormos Medical begann sich an der
Forschungsarbeit zu beteiligen, und 1998 wurde eine Patentanmeldung
eingereicht.
Die Entwicklungsarbeit beschleunigte sich als man feststellte,
dass innere Fichtenzweige HMR in ungewöhnlich hoher Konzentration
enthalten. Fichtenzweige wiederum gab es auf den Holzplätzen
der Forstindustrie in Massen. 1999 fand man ein Verfahren,
solche Zweige auf relativ einfache Weise im großen Maßstab
aus Hackschnitzeln zu isolieren.
Zahlreiche Anwendungen
HMR kam im vergangenen Frühjahr in den USA als Lebensmittelzusatz
in den Handel. Voraussetzung dafür war die Zulassung
durch die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA, die
Hormos Medical nach einem aufwendigen Beantragungsprozess
im Frühjahr 2004 erhalten hatte. Im Jahr 2005 verkaufte
Hormos Medical die Urheberrechte an den Schweizer Reformkosthersteller
Linnea SA.
Gegenwärtig wird nun untersucht, ob man HMR auch Lebensmitteln,
wie zum Beispiel Brot oder Crisps, zusetzen kann. Auch die
Kosmetikindustrie zeigt Interesse an den Lignanen, u.a. als
Aktivbestandteil von Sonnen- und Hautcremes.
Weiter sucht man intensiv nach natürlichen Alternativen
zu synthetischen Stoffen. In Zweigen enthaltene Polyphenole
können als technische Antioxidationsmittel zum Beispiel
in Ölen und Kunststoffen eingesetzt werden.

|