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Man soll das Wirtschaftswachstum, das die EU-Erweiterung
mit sich bringt, nicht überbewerten, aber auch nicht
unterschätzen. Nach Meinung vieler Unternehmen war die
Erweiterung das Beste, was der EU angesichts des immer schärferen
globalen Wettbewerbs widerfahren konnt", sagt Direktor
Erik Forsman vom Finnischen Industrie- und Arbeitgeberverband
(TT).
Die EU-Erweiterung ist ein Teil der in Gang befindlichen
Globalisierung, die eine grundlegende Veränderung der
traditionellen Weltwirtschafts- und Welthandelsstrukturen
bewirkt. Die Anfang Mai um zehn Länder gewachsene EU
stellt nun einen nach einheitlichen Regeln funktionierenden,
über 450 Millionen Verbraucher aufweisenden großen
Markt mit eigener innerer Dynamik dar.
Man sollte die Auswirkungen der Erweiterung auf Handel
und Wirtschaftswachstum in naher Zukunft nicht übertreiben,
aber auch das nun allen Unternehmen gemeinsame riesige Geschäftsumfeld
in seiner Bedeutung nicht unterschätzen", betont
Erik Forsman.
Ein leistungsfähiger, störungsfreier Motor
Im Moment tragen die neuen Mitgliedsländer nur fünf
Prozent zum Bruttosozialprodukt und nur zwei Prozent zum Binnenhandel
des EU-Raums bei. Kurzfristig wird die Erweiterung, so schätzt
man, das Wirtschaftswachstum der neuen Mitglieder um jährlich
ein bis zwei Prozentpunkte, bei den alten EU-Ländern
um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte erhöhen.
Zur Sicherung der positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft
ist es nach Forsman wichtig, dass die neuen Länder der
Union unbedingt alle im Mitgliedschaftsvertrag vorausgesetzten
Binnenmarkt-Vorschriften erfüllen. Der Binnenmarkt
ist der Motor des Wirtschaftswachstums der EU, und der muss
effizient und störungsfrei funktionieren", unterstreicht
er.
Produktionsverlagerung in die neuen Mitgliedsländer
Der gegenseitige Handel und die produktiven Investitionen
von den alten in die neuen EU-Länder nahmen infolge geschlossener
Freihandelsverträge schon in den neunziger Jahren kräftig
zu. Damals fielen die Hürden im Handel und bei den Investitionen,
und die Harmonisierung der Wirtschaftsgesetzgebung der neuen
Länder in Abstimmung auf das Binnenmarktsystem begann.
Als Folge dieser Maßnahmen und der günstigen
Wirtschaftsbedingungen der neuen Mitgliedsländer begannen
zahlreiche europäische und auch außereuropäische
Unternehmen in beispielloser Weise in den neuen Mitgliedsländern
zu investieren und ihre Produktion dorthin zu verlagern",
schildert Forsman. Dieser Trend hält an und kann
sich noch verstärken, wenn Produktionskosten und Körperschaftssteuer
in den Beitrittsländern deutlich niedriger als in den
alten EU-Ländern bleiben."
Weiter zunehmender Wettbewerb
Der Wettbewerb am nun erweiterten EU-Binnenmarkt wird sich
in allen Branchen noch verschärfen, dafür sorgen
u.a. die in den neuen Mitgliedsländern etablierten westlichen
Unternehmen, die in ihren funkelnagelneuen bzw. gründlich
sanierten Betrieben unter Einsatz moderner Verfahren noch
effizienter und wirtschaftlich wettbewerbsfähiger als
bisher zu produzieren vermögen.
Von den befristeten Binnenmarktbeschränkungen nennt
Forsman als belangreichste die Einschränkung der Freizügigkeit
der Arbeitskräfte. Gleich vielen anderen EU-Ländern
hat auch Finnland da eine zweijährige Beschränkung
verfügt, die bei Bedarf verlängert werden kann,
jedoch nicht mehr als insgesamt sieben Jahre betragen darf.
Es steht zu befürchten, dass die durch Pensionierung
der starken Jahrgänge entstehenden Lücken in den
nächsten Jahren kaum durch Arbeitskräfte aus anderen
Unionsländern ausgefüllt werden können",
gibt Forsman zu bedenken.
Mehr Investitionen und Zusammenarbeit
Die Investitionen finnischer Unternehmen in den neuen
Mitgliedsländern und die wirtschaftliche und industrielle
Zusammenarbeit mit dortigen Firmen werden in den nächsten
Jahren wahrscheinlich erheblich zunehmen", meint Forsman.
In den letzten Jahren hat der finnische Export in die neuen
Mitgliedsländer nahezu stagniert; er machte im Jahr 2003
insgesamt 7,1 Prozent der Ausfuhr aus. Die Hauptabnehmerländer
waren Estland (1,1 Mrd. Euro) Polen (862 Mio. Euro) und Ungarn
(356 Mio. Euro). Über die Hälfte der Exporte entfiel
auf Erzeugnisse der Technologieindustrie, gefolgt von den
Produkten der Holz- und der Chemiebranche.
Der Import aus den neuen Mitgliedsländern hat sich im
vergangenen Jahr um zehn Prozent erhöht. Auch die Einfuhr
wurde von Produkten der Technologieindustrie dominiert; dazu
kamen Holz und Holzprodukte sowie Bekleidung. Am meisten wird
aus Estland bezogen.
Die finnischen Investitionen in die neuen Mitgliedsländer
haben sich besonders seit der Jahrhundertwende erhöht,
machten aber im Jahr 2002 erst knappe 3 Prozent der finnischen
Auslandsinvestitionen aus. Von den Mitteln floss ein reiches
Drittel - 600 Mio. Euro - nach Estland; an folgender Stelle
rangierten Polen und Ungarn mit je 350 Mio. Euro.

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