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Geringe Wasservorräte und hohe Preise an der Strombörse

Strommärkte haben Feuerprobe bestanden

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19.2.2003
 

 
 

Finnland hatte bisher auch bei stärkstem Frost ausreichend Elektroenergie zur Verfügung, obgleich in den nordischen Ländern nach einem trockenen Sommer und regenarmen Herbst die Wassersituation gegenwärtig ungewöhnlich schlecht ist. Auch die Stromübertragung und -verteilung hat, von lokalen Störungen abgesehen, gut geklappt. Die Börsenpreise für Strom kletterten auf Rekordhöhe.

Neben der Eigenerzeugung wurde der Strommarkt der nordischen Länder bei starkem Frost auch durch Importe aus Russland, Deutschland und Polen versorgt. Die Übertragungsleitungen waren dabei voll ausgelastet. Außerdem hat innerhalb Skandinaviens Dänemark, gestützt auf seine kapazitätsstarken Kohlekraftwerke, große Mengen Elektrizität für seine nördlichen Nachbarn erzeugt.

Als bedeutsamste Veränderung der Strommärkte der nordischen Länder im vergangenen Jahr ist die wesentliche Verringerung der Wasserreserven zu nennen, die während des Mittwinters nur 40 Prozent der vollen Menge betrugen. Vor Jahresfrist waren es 64 Prozent gewesen, und das langzeitliche Mittel liegt bei 62 Prozent.

Das Absinken der Wasserkraft der nordischen Länder um fast ein Viertel bedeutet eine Erzeugungseinbuße von knapp 30 Milliarden Kilowattstunden. Diese Menge entspricht über einem Drittel des jährlichen Gesamtstromverbrauchs oder dem 1,4-fachen der jährlichen Kernkraft-Stromerzeugung Finnlands.

Zur Jahreswende vierfache Strompreise an der Börse

Das allgemeine Anziehen der Preise an der Strombörse setzte bereits im Sommer 2002 ein. Die lange Frostperiode um die Jahreswende ließ die Spotpreise dann zeitweise bis aufs Vierfache, verglichen am Vorjahr, hochschnellen. Die exorbianten Börsenpreise setzten zur Zeit der stärksten Fröste in den nordischen Ländern sogar ein paar besonders energieintensive Industriebetriebe für kurze Dauer außer Gefecht.

Die Märkte funktionierten erwartungsgemäß und veranlassten die großen Kunden aus der Industrie zur Überprüfung ihres Stromverbrauchs und teilweise sogar zum Verkauf freigewordener Elektroenergie zu saftigen Preisen. Eine Stromkontingentierung war in keinem der nordischen Länder notwendig; allerdings ergingen Stromsparempfehlungen.

Man erwartet, dass die Strompreise an der Börse bis zum kommenden Sommer auf ungewöhnlich hohem Niveau bleiben. Mitbestimmend für die künftigen Preise sind die Schneeschmelzwassermengen und die Niederschläge in den Sommermonaten. Zwei trockene Jahre hintereinander würden laut Verbundblock Nordel zu ernsten Gleichgewichtsstörungen an den Strommärkten der nordischen Länder führen. Der Anstieg der Börsenpreise wurde bisher nur zu einem geringen Teil auf die Abgabepreise umgelegt.

Wichtig für das Funktionieren der Strommärkte der nordischen Länder ist, dass neben der witterungsabhängigen Wasserkraft andere Erzeugungsformen zum Ausgleich der Produktionsschwankungen vorhanden sind. Gemäß den Auflagen des Klimaabkommens von Kyoto sind die nordischen Länder gehalten, sich verstärkt auf Energieerzeugungsformen zu verlegen, die keine Treibhausgasemissionen bewirken.

In den letzten Jahre wurde in den nordischen Ländern im Vergleich zur Zunahme des Stromverbrauchs nur wenig neue Kraftwerkskapazität geschaffen. Als bedeutsamste Objekte sind die mit Biobrennstoff befeuerten neuen KWK-Anlagen (KWK = Kraft-Wärme-Kopplung) in Finnland und die Windkraftwerke in Dänemark zu nennen. In Finnland steht außerdem ein Ausbau der Kernkraft-Stromerzeugung an.

Neues KKW geht 2009 ans Netz

Der finnische Reichstag traf im Mai 2002 eine Grundsatzentscheidung über den weiteren Ausbau der Kernkraft. Das Energieunternehmen Teollisuuden Voima Oy (TVO) darf entweder in Eurajoki oder in Loviisa eine neues Kernkraftwerk mit einer Kapazität von 1000-1600 MW errichten. Die Angebote auf die diesbezüglich gemachte Ausschreibung werden im Frühjahr dieses Jahres eingehen, und aufs Jahresende zu wird TVO über Art, Größe und Standort der neuen Anlage entscheiden. Das KKW-Bauvorhaben ist bisher plangemäß vorangekommen.

Ans Netz gehen soll die neue Einheit ums Jahr 2009. Bis dahin könnten die nordischen Länder durchaus wieder trockenen Sommern oder strengen Wintern ausgesetzt sein, was einen neuen Prüfstein für die Stromerzeugung bedeuten würde. Das TVO-Kernkraftwerk Olkiluoto lieferte 2002 an finnische Abnehmer insgesamt über 14 Milliarden Kilowattstunden Strom und deckte damit ein Fünftel des Gesamtbedarfs des Landes.

Bezüglich des CO2-Ausstoßes der nordischen Länder oder auch der gesamten Welt kann vermehrter Stromimport aus Russland, Deutschland und Polen keine Dauerlösung sein, weil dort die Erzeugung zum überwiegenden Teil auf fossilen Energieträgern basiert. In den nordischen Staaten dominiert die emissionsfreie Erzeugung, erfolgt sie doch zur reichlichen Hälfte auf Wasserkraft- und zu einem knappen Viertel auf Kernkraftbasis. Nur ein Fünftel des Stroms wird mit fossilen Brennstoffen erzeugt; umso bedeutsamer ist der mit Biobrennstoffen in KWK-Anlagen erzeugte Energieanteil. Auf Windkraft und sonstige regenerative Ressourcen entfallen in den nordischen Ländern zwei Prozent der Stromerzeugung.

Trotzdem kann sich Finnland keinen Abbau der Kohlekraftwerkskapazität leisten. Die Periode strengen Frosts in diesem Winter zwang die nordischen Länder, schon seit langem stillgelegte Wärmekraftwerke wieder anzufahren. In Finnland mussten zur Spitzenzeit die Blöcke 3 und 4 des seit Jahren ruhenden Kohlekraftwerks Inkoo wieder in Betrieb genommen werden.

Sonstige links:

>> www.energia.fi/finergy/
>> www.tvo.fi

 

 
 


 

 
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