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Finnland hatte bisher auch bei stärkstem Frost ausreichend
Elektroenergie zur Verfügung, obgleich in den nordischen
Ländern nach einem trockenen Sommer und regenarmen Herbst
die Wassersituation gegenwärtig ungewöhnlich schlecht
ist. Auch die Stromübertragung und -verteilung hat, von
lokalen Störungen abgesehen, gut geklappt. Die Börsenpreise
für Strom kletterten auf Rekordhöhe.
Neben der Eigenerzeugung wurde der Strommarkt der nordischen
Länder bei starkem Frost auch durch Importe aus Russland,
Deutschland und Polen versorgt. Die Übertragungsleitungen
waren dabei voll ausgelastet. Außerdem hat innerhalb
Skandinaviens Dänemark, gestützt auf seine kapazitätsstarken
Kohlekraftwerke, große Mengen Elektrizität für
seine nördlichen Nachbarn erzeugt.
Als bedeutsamste Veränderung der Strommärkte der
nordischen Länder im vergangenen Jahr ist die wesentliche
Verringerung der Wasserreserven zu nennen, die während
des Mittwinters nur 40 Prozent der vollen Menge betrugen.
Vor Jahresfrist waren es 64 Prozent gewesen, und das langzeitliche
Mittel liegt bei 62 Prozent.
Das Absinken der Wasserkraft der nordischen Länder um
fast ein Viertel bedeutet eine Erzeugungseinbuße von
knapp 30 Milliarden Kilowattstunden. Diese Menge entspricht
über einem Drittel des jährlichen Gesamtstromverbrauchs
oder dem 1,4-fachen der jährlichen Kernkraft-Stromerzeugung
Finnlands.
Zur Jahreswende vierfache Strompreise an der Börse
Das allgemeine Anziehen der Preise an der Strombörse
setzte bereits im Sommer 2002 ein. Die lange Frostperiode
um die Jahreswende ließ die Spotpreise dann zeitweise
bis aufs Vierfache, verglichen am Vorjahr, hochschnellen.
Die exorbianten Börsenpreise setzten zur Zeit der stärksten
Fröste in den nordischen Ländern sogar ein paar
besonders energieintensive Industriebetriebe für kurze
Dauer außer Gefecht.
Die Märkte funktionierten erwartungsgemäß
und veranlassten die großen Kunden aus der Industrie
zur Überprüfung ihres Stromverbrauchs und teilweise
sogar zum Verkauf freigewordener Elektroenergie zu saftigen
Preisen. Eine Stromkontingentierung war in keinem der nordischen
Länder notwendig; allerdings ergingen Stromsparempfehlungen.
Man erwartet, dass die Strompreise an der Börse bis
zum kommenden Sommer auf ungewöhnlich hohem Niveau bleiben.
Mitbestimmend für die künftigen Preise sind die
Schneeschmelzwassermengen und die Niederschläge in den
Sommermonaten. Zwei trockene Jahre hintereinander würden
laut Verbundblock Nordel zu ernsten Gleichgewichtsstörungen
an den Strommärkten der nordischen Länder führen.
Der Anstieg der Börsenpreise wurde bisher nur zu einem
geringen Teil auf die Abgabepreise umgelegt.
Wichtig für das Funktionieren der Strommärkte der
nordischen Länder ist, dass neben der witterungsabhängigen
Wasserkraft andere Erzeugungsformen zum Ausgleich der Produktionsschwankungen
vorhanden sind. Gemäß den Auflagen des Klimaabkommens
von Kyoto sind die nordischen Länder gehalten, sich verstärkt
auf Energieerzeugungsformen zu verlegen, die keine Treibhausgasemissionen
bewirken.
In den letzten Jahre wurde in den nordischen Ländern
im Vergleich zur Zunahme des Stromverbrauchs nur wenig neue
Kraftwerkskapazität geschaffen. Als bedeutsamste Objekte
sind die mit Biobrennstoff befeuerten neuen KWK-Anlagen (KWK
= Kraft-Wärme-Kopplung) in Finnland und die Windkraftwerke
in Dänemark zu nennen. In Finnland steht außerdem
ein Ausbau der Kernkraft-Stromerzeugung an.
Neues KKW geht 2009 ans Netz
Der finnische Reichstag traf im Mai 2002 eine Grundsatzentscheidung
über den weiteren Ausbau der Kernkraft. Das Energieunternehmen
Teollisuuden Voima Oy (TVO) darf entweder in Eurajoki oder
in Loviisa eine neues Kernkraftwerk mit einer Kapazität
von 1000-1600 MW errichten. Die Angebote auf die diesbezüglich
gemachte Ausschreibung werden im Frühjahr dieses Jahres
eingehen, und aufs Jahresende zu wird TVO über Art, Größe
und Standort der neuen Anlage entscheiden. Das KKW-Bauvorhaben
ist bisher plangemäß vorangekommen.
Ans Netz gehen soll die neue Einheit ums Jahr 2009. Bis dahin
könnten die nordischen Länder durchaus wieder trockenen
Sommern oder strengen Wintern ausgesetzt sein, was einen neuen
Prüfstein für die Stromerzeugung bedeuten würde.
Das TVO-Kernkraftwerk Olkiluoto lieferte 2002 an finnische
Abnehmer insgesamt über 14 Milliarden Kilowattstunden
Strom und deckte damit ein Fünftel des Gesamtbedarfs
des Landes.
Bezüglich des CO2-Ausstoßes der nordischen Länder
oder auch der gesamten Welt kann vermehrter Stromimport aus
Russland, Deutschland und Polen keine Dauerlösung sein,
weil dort die Erzeugung zum überwiegenden Teil auf fossilen
Energieträgern basiert. In den nordischen Staaten dominiert
die emissionsfreie Erzeugung, erfolgt sie doch zur reichlichen
Hälfte auf Wasserkraft- und zu einem knappen Viertel
auf Kernkraftbasis. Nur ein Fünftel des Stroms wird mit
fossilen Brennstoffen erzeugt; umso bedeutsamer ist der mit
Biobrennstoffen in KWK-Anlagen erzeugte Energieanteil. Auf
Windkraft und sonstige regenerative Ressourcen entfallen in
den nordischen Ländern zwei Prozent der Stromerzeugung.
Trotzdem kann sich Finnland keinen Abbau der Kohlekraftwerkskapazität
leisten. Die Periode strengen Frosts in diesem Winter zwang
die nordischen Länder, schon seit langem stillgelegte
Wärmekraftwerke wieder anzufahren. In Finnland mussten
zur Spitzenzeit die Blöcke 3 und 4 des seit Jahren ruhenden
Kohlekraftwerks Inkoo wieder in Betrieb genommen werden.




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www.energia.fi/finergy/
>> www.tvo.fi
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