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Nach einer Erhebung des Finnischen Instituts für
Wirtschaftsforschung (ETLA) wirkten Ende 2001 in Finnland
etwa 120 Biotech-Firmen - 10 Prozent der europäischen
Unternehmen dieser Branche.
Biotech-Anwendungen werden vornehmlich für Arzneimittel
und Diagnostik, aber auch für Lebensmittel und Biomaterialien
entwickelt.
Bei den meisten finnischen Biotech-Firmen handelt es sich
um junge, am Anfang ihres Weges stehende Unternehmen, und
40 Prozent der weniger als zehn Jahre alten Firmen stecken
noch in den roten Zahlen. Ist ein Unternehmen zehn Jahre nach
der Gründung noch am Leben, muss das Geschäft auch
laufen. Die Branche kommt auf einen Umsatz von knapp 700 Mio.
Euro; unter Einbeziehung der großen Pharmaunternehmen
sind es fast 2 Mrd. Euro.
Die Biotechnik ist eine Branche voller Erwartungen, und die
Finanzierungsfrage hat für die Biotech-Unternehmen geradezu
lebenswichtiger Bedeutung, denn ein beträchtlicher Teil
ihrer Produkte und Dienstleistungen steht noch in der Forschungs-
und Entwicklungsphase. Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung
erhalten diese Firmen in Finnland vom Zentrum für Technologische
Entwicklung (TEKES) und von der Finnischen Nationalen Stiftung
für Forschung und Entwicklung (Sitra). Die Branche war
in den letzten Jahren außerordentlich aktiv, was nicht
zuletzt der Technologieprogrammpolitik von TEKES und der Investitionspolitik
von Sitra zu verdanken ist.
Die Biobranche ist weltweit einer der am stärksten reglementierten
Industriezweige. Voraussetzung für die Zulassung ihrer
Produkte ist, dass bei der Forschung, Entwicklung, Produktion
und Dokumentation die bestehenden Qualitätssicherungs-
und -lenkungsvorschriften strikt eingehalten werden. Wegen
des geringen Volumens des finnischen Marktes drängt ein
Großteil der Unternehmen auf den Weltmarkt. Typisch
für die Biobranche ist das Arbeiten auf lange Sicht;
die Forschungs- und Entwicklungsphase eines neuen Produktes
dauert in der Regel wenigstens fünf Jahre.
In fünf Jahren rechnen 90 Prozent der finnischen Biotech-Start-ups
bereits mit Export in die EU-Länder, 60 bis 80 Prozent
mit Export nach Nordamerika und über die Hälfte
mit Export nach Asien.
Die Fusionsentwicklung, die in den USA längst läuft,
wird nun auch in Finnland sichtbar: Über 15 Prozent der
Firmen gehören bereits einer größeren in-
oder ausländischen Gesellschaft.
Biotech-Konzentration im Großraum Helsinki
Der Helsinki Science Park und der Business-Inkubator in Helsinki-Viikki
führen Geschäftstätigkeit und neuestes Technologie-Know-how
zusammen. Die Kompetenz der verstreut liegenden finnischen
Biounternehmen wird durch Vernetzung und Initiierung gemeinschaftlichen
Handelns auf Landesebene zusammengefasst.
Die finnischen Biotech-Unternehmen haben sich hauptsächlich
in den Wachstumszentren Helsinki, Tampere, Turku, Oulu und
Kuopio angesiedelt. Angestrebt wird eine immer stärkere
Vernetzung und Zusammenarbeit.
Voraussetzung für Erfolg der finnischen Biotech-Branche
ist eine Fokussierung auf genau umrissene Bereiche. Gegenwärtig
sind das die Bioinformatik, neue Medikamente und Diagnoseverfahren,
Biomaterialien und Functional Food. Besonderen Wert legt man
dabei auf Qualität in der Ausbildung und den Biowissenschaften.
Von entscheidender Bedeutung ist auch die Konzentration der
Forschung und Produktentwicklung auf die Wachstumszentren.
Helsinki-Viikki hat sich innerhalb von zehn Jahren, nicht
zuletzt dank Investition von 150 Mio. Euro, zu einem Silicon
Valley" der Bio- und Lebensmittelwissenschaften entwickelt.
In diesen Komplex soll nach finnischer Vorstellung auch die
neue EU-Lebensmittelbehörde eingefügt werden.
Der Science Park steht im Eigentum der Uni Helsinki, der
Stadt Helsinki sowie von Sitra und Industrieverbänden.
Mit Unterstützung der Regierung und der Hauptstadt wurde
in Viikki ein Wissenschaftszentrum geschaffen, in dem neben
den reinen biologischen Disziplinen auch Landwirtschafts-,
Lebensmittel-, Forst- und veterinärmedizinische Wissenschaften
wirken. Demnächst werden sich dort auch das Veterinärmedizinische
und Lebensmittel-Forschungsinstitut und das Finnische Umweltzentrum
ansiedeln.
Der südfinnische Knotenpunkt Viikki Food Centre des
Lebensmittelbranchen-Kompetenzzentrums ELO wirkt als Bindeglied
zwischen Lebensmittelbetrieben, Forschung, Entwicklung, und
Ausbildung in dieser Region. Hauptzielgruppe des landesweit
vernetzten und tätigen Kompetenzzentrums sind die kleinen
und mittleren Betriebe der einheimischen Lebensmittelbranche.
In Viikki ist schon seit über zehn Jahren der Business-Inkubator
Cultivator aktiv; eine zweite solche Einrichtung wird Anfang
2003 ihren Betrieb aufnehmen.
Das Gentechnologie- und Molekularbiologie-Kompetenzzentrum
Helsinki konzentriert sich auf die Entwicklung von Qualitätssicherungssystemen
für Bio-Firmen, auf nationale und übernationale
behördliche Vorschriften als Reglementierer der Geschäftstätigkeit
sowie auf ethische und soziale Fragen des Marketings.
Finnland war und ist ein ausgezeichnetes Objekt zum Beispiel
für die Untersuchung von Krankheitsgenen. Das Land verfügt
über ein gut entwickeltes Gesundheitswesen und eine genmäßig
ziemlich einheitliche Bevölkerung. Bahnbrechende Arbeit
auf dem Gebiete der Genforschung leistet seit über 20
Jahren die Gen-Abteilung der Uni Helsinki und der Anstalt
für Volksgesundheit.
Das menschliche Erbgut ist bereits im Net
Schon seit 2001 können Interessenten unter der Web-Adresse
http:www.ncbi.nlm.nih.gov/genome/guide/human/ sämtliche
Gene des Menschen und ihre Struktur nachschlagen. Diese Informationen
werden hauptsächlich von Wissenschaftlern genutzt, aber
auch Otto Normalverbraucher findet auf diesen Web-Seiten Interessantes,
zum Beispiel wie viele Chromosomen der Mensch hat, welche
Faktoren sich auf das Down-Syndrom oder den vererblichen hohen
Cholesterinspiegel eines bestimmten Typs auswirken oder was
alles hinter einer Erkrankung steht.
Location of Finnish biotechnology companies


www.sciencepark.helsinki.fi
www.etla.fi
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