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Biotech wächst, wenn auch langsam

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10.9.2004
 

 
 

Die Biotechnik könnte sich gleich der IT zu einem neuen Standbein der finnischen Wirtschaft entwickeln. Die Rolle der Branche als Lokomotive der Wirtschaft wird, so meinen Experten, wahrscheinlich auf einer Kombination aus alter und neuer Kompetenz, wie Biotech und Papierfabrikation, basieren.

Die Möglichkeiten der Biotechnik in Finnland werden in dem vom Finnischen Institut für Wirtschaftsforschung (ETLA) kürzlich herausgegebenen Buch "Biotekniikka - tietoon perustuvaa liiketoimintaa" (Biotech - wissensbasierte Geschäftstätigkeit) erörtert. In der Schrift sind neueste Forschungsergebnisse der Biotech-Industrie einschließlich damit verbundener Erwartungen und Perspektiven zusammengestellt.

Inlandsmarkt zu klein

In Finnland wurden in den vergangenen zehn Jahren für die Biotech-Branche beträchtliche öffentliche Forschungs- und Entwicklungsmittel zur Verfügung gestellt: die Biozentren mitgerechnet fast 400 Mio. Euro. Neue Unternehmen der Branche entstanden besonders nach Mitte der 90er Jahre. Ein Teil von ihnen ist bereits konkret kommerziell tätig, viele Vorhaben befinden sich jedoch noch im Entwicklungsstadium.

Obgleich die Unternehmen gegenwärtig noch bescheidene Verkaufszahlen ausweisen, hegt man doch hohe Wachstumserwartungen. Die Firmen haben sich von Anfang an stark auf Export eingestellt, denn der kleine finnische Markt reicht nicht aus, die hohen Produktentwicklungskosten zu decken.

Mangel an großen Unternehmen

Die Kapitalinvestition ist in der Branche nur schwach entwickelt und in hohem Maße von den Finanzmärkten der IT-Branche abhängig. Für die Weiterentwicklung wären dringend in- und ausländische Kapitalinvestitionen erforderlich. Es war bisher auch problematisch, sich von gemachten Investitionen zu lösen, denn der Gang an die Börse ist schwierig. Man erwartet zunehmenden Verkauf von Unternehmen - zu einem beträchtlichen Teil an ausländische Interessenten.

In Finnland gibt es in der Branche nur wenige große Firmen, die in der Lage wären, erfolgreiche Innovationen in eine Produktion von industriellem Maßstab umzusetzen. In der Entwicklung von Pharmaka zum Beispiel ist es typisch, dass die kleinen Biotech-Firmen ihre Erfindungsrechte an große internationale Unternehmen verkaufen, die diese dann zu marktreifen Produkten entwickeln.

Jahrelanges Wachstum

Das jährliche Wachstum des Biotech-Sektors wird sich in Finnland, so schätzt man, bis zum Jahr 2006 auf 10 bis 18 Prozent erhöhen. Man betrachtet das als angemessenes, aber keinesfalls ungewöhnlich schnelles Wachstum.

Die Wertschöpfung der Branche entspricht im Moment derjenigen der Holzindustrie Anfang der 50er Jahre und der Elektronikindustrie Mitte der 70er Jahre. Schaffte die Biotech-Branche das gleiche Wachstum wie die Elektronik, würde sie nach 30 Jahren deren gegenwärtiges Niveau erreichen; zeigte sie das Wachstum der Holzindustrie, wären 50 Jahre erforderlich, um an deren heutige Wertschöpfung heranzureichen. Würde das Wachstum den jetzigen Prognosen folgen, erreichte die Biotech-Branche in 15 bis 30 Jahren des gegenwärtige Niveau der Holz- bzw. der Elektronikindustrie.

Die Entwicklung zur Lokomotive der finnischen Wirtschaft geschieht voraussichtlich auf der Basis einer Kombination aus alter und neuer Kompetenz. Alternativen zu der Kombination aus Biotech und Papierfabrikation wären zum Beispiel Biotech + Informatik und Biotech + Lebensmittelbranche.

Quelle: Terttu Luukkonen (Red.) "Biotekniikka - tietoon perustuvaa liiketoimintaa", ETLA 2004.

Finnisches Bio-Unternehmen ging an die Londoner Börse

Die Ark Therapeutics Group plc ist seit Anfang März auf dem amtlichen Markt (Hauptliste) der Londoner Börse. Es war dies seit drei Jahren der erste Börsengang eines europäischen Bio-Unternehmens.

"Ein willkommener Fall. Der gut gelungene Börsengang zeigt, dass es lohnt, in die finnische Bio-Kompetenz zu investieren", kommentiert Riikka Heikinheimo, Leiterin Technologie im Zentrum für Technologieentwicklung (TEKES).

Die in London und Kuopio, Finnland, wirkende Firma verfügt über einen starken Produktentwicklungs-Portfolio hauptsächlich in den Bereichen kardiovaskulare und Krebserkrankungen sowie Genmedizin. Ihr erstes Produkt befindet sich bereits im Handel.

www.arktherapeutics.com


BioTie und Aventis kooperieren

Die finnische Biotech-Firma BioTie Therapies schloss im März mit dem internationalen Pharmaunternehmen Aventis einen Medikamententwicklungs-, Forschungs- und Kooperationsvertrag. Die Partner entwickeln gemeinsam ein neues oral zu verabreichendes Präparat zur Verhinderung und Behandlung von Blutgerinnungsstörungen.

Aventis hat das Alleinrecht, mit BioTie in den nächsten 12 Monaten über den globalen Lizenzvertrag des Produkts zu verhandeln. Die Firma BioTie konzentriert sich in ihrer Entwicklungs- und Forschungstätigkeit auf die Behandlung von Sucht- und Entzündungskrankheiten und auf Glykobiologie. Nicht-tierisches Bioheparin entwickelt sie seit 1996.

www.biotie.com
www.aventis.com


Innovative Krebsmedikamente in Entwicklung

Die japanische NanoCarrier Co., Ltd und die finnische CTT Cancer Targeting Technologies Oy Ltd arbeiten gemeinsam an der Entwicklung innovativer Krebsmittel, die aktiv in das Tumorgewebe eindringen und sich in diesem selektiv anreichern.

"Es ist dies ein gutes Beispiel dafür, wir Hightech-Unternehmen Japans und Finnlands ihre Kräfte vereinen und darauf gestützt neue, wettbewerbsfähige Technologien für den Weltmarkt schaffen können. Der Transport gezielter Medikamente im Körper ist eines der heißesten Themen der nahen Zukunft", konstatiert Ilkka Kouvonen, Vorstandsvorsitzender der CTT.

www.cancertargeting.com

 

Sonstige links:

>> Europas Biobranche im Umbruch (10.9.2004)

 

 
 


Das internationale Pharmaunternehmen Aventis und die finnische Biotechfirma BioTie Therapies entwickeln gemeinsam ein neues oral zu verabreichendes Präparat zur Prophylaxe und Behandlung von Blutgerinnungsstörungen.
Foto: Aventis Photo Archive

 

 
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