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FINNLAND KÖNNTE GLOBAL FÜHREND IN DER KLÄRUNG VON KRANKHEITSGENEN SEIN

Finnland ist ein ausgezeichnetes Land für die Untersuchung von Krankheitsgenen, denn es verfügt über ein gut entwickeltes Gesundheitswesen, und seine Bevölkerung geht generell auf die gleichen Urväter und -mütter zurück, das heißt sie hat, etwa verglichen an der US-Population, eine sehr einheitliche Genstruktur.

Auch die EU hat die Kompetenz Finnlands in der Genforschung und die Sondermerkmale der Region zur Kenntnis genommen und dem Land im Herbst 2002 die Koordinierung eines mit 13,5 Mio. Euro dotierten Zwillingsforschungsprogramms übertragen, an dem Wissenschaftler aus sieben Ländern teilnehmen.

Bahnbrechende Arbeit in der Genforschung leistet seit über 20 Jahren ein von Professorin Leena Peltonen-Palotie (Uni Helsinki, Volksgesundheitsanstalt) geleitetes Team. Die Teamchefin kehrte im Herbst 2002 nach vier Forschungsjahren an der University of California in die Heimat zurück um die Koordinierung des EU-Projekts zu übernehmen.

„In Finnland ist jede hundertste Geburt eine Zwillingsgeburt. In Europa gibt es insgesamt 800 000 Zwillingspaare, das sind 1,6 Millionen Menschen", stellt sie fest.

Mit ihrem Team hat sie landestypische Krankheiten und Krankheitsgene wie zum Beispiel die Gene der nur in Finnland auftretenden AGU- oder Salla-Krankheit und finnische Herz- und Gefäßkrankheiten untersucht. Neben der jetzt laufenden Zwillingsstudie finanziert die EU gleichzeitig ein das Erbgut von Mäusen untersuchendes Zentrum und eine mit der Untersuchung der Proteinstruktur befasste Abteilung.

„Es ist erfreulich, das unsere Kompetenz anerkannt ist und Finnland nun das im Hinblick auf die menschlichen Krankheiten bedeutsamste dieser Projekte koordiniert", schwärmt die Professorin.

Das menschliche Genom im Internet

Laut Prof. Peltonen-Palotie stehen seit dem Jahr 2001 sämtliche Gene des Menschen und ihre Struktur im Internet und können unter der Adresse http://www.ncbi.nlm.nih.gov/genome/guide/human/ abgerufen werden. Die Informationen dienen hauptsächlich Wissenschaftlern, aber auch Laien finden auf den Sites Interessantes, etwa die Antwort auf die Fragen, wieviel Chromosomen der Mensch hat, welche Faktoren beim Down-Syndrom oder beim vererblichen hohen Cholesterinwert mitwirken, was alles hinter Krankheiten steckt oder warum der eine erkrankt, der andere nicht.

„Es steht fest, dass jeder von uns im Laufe seines Lebens an irgendetwas erkrankt, je länger er lebt, um so sicherer ist das. Durch Untersuchung von Genen und Erbkrankheiten soll nicht etwa das Leben des Menschen verlängert werden, sondern Ziel ist es, jene „Genprofile" auf Genomebene zu identifizieren, die zusammen mit Umweltfaktoren für den Ausbruch der verschiedenen Krankheiten mitbestimmend sind. Auf der Basis solcher Erkenntnisse lassen sich eventuell immer präziser wirkende gezielte Medikamente entwickeln, vielleicht gewisse Krankheiten sogar gänzlich verhindern oder zumindest in eine abgeschwächte Form bringen", sagt die Professorin.

An Hand von Zwillingsuntersuchungen kann u.a. der Einfluss von Vererbung und Umwelt geklärt werden. Das Probandenpaar hat die gleiche embryonale Entwicklungsumgebung und danach lange Zeit gleichartiges Lebensmilieu. Es wäre sehr wichtig zu wissen, ob Zwillinge an den gleichen Erbkrankheiten erkranken und falls nicht, welche Einflussfaktoren da wirken.


Finnland den USA voraus

Nach Prof. Peltonen-Palotie wäre Krankheitsgenforschung der Art wie sie in Finnland betrieben wird in den USA nicht möglich, weil dort das Gesundheitswesen weniger gut organisiert ist, die epidemiologischen Daten mangelhaft sind und die Bevölkerung genommäßig uneinheitlicher als in Finnland ist. Wie sie meint, wurde auch in keinem anderen Land so viel in Identifizierung und Verständnis von Krankheitsgenen, zum Beispiel der Krebsgene, wie in Finnland investiert. Nach ihrer Auffassung müsste jedoch bei der Ausbildung von Medizinern, ganz gleich ob angehende Internisten oder Neurologen, dem Verständnis der Gene und der Geninformationen mehr Beachtung geschenkt werden. Das Genom kann etwa für Herzrhythmusstörungen und Thromben verantwortlich sein. Schon jetzt kennt man zum Beispiel fünf Gene, die bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen.

„Finnland und die skandinavischen Länder mit ihrem hoch entwickelten Gesundheitswesen und der damit verbundenen Gen- und epidemiologischen Forschung nehmen in den Biowissenschaften eine Art Vorzugsstellung ein. Wir haben enorme Kenntnisse über die Vorgänge in der Lebensspanne des Menschen und sollten unseren Vorsprung im Gesundheitswesen und der einschlägigen Forschung weiter nutzen. Zu den besten Ergebnissen kämen wir durch interdisziplinäre Zusammenarbeit; IT-Branche, Mathematiker und Gesundheitswesen müssten noch enger kooperieren als bisher", unterstreicht die Professorin.

 

 
 

Siehe auch Diese
 

EHS-Spielregeln
Medikament gegen Herzinsuffizienz
Supercellulose
Springende Gene werden nutzbar gemacht

Chemieindustrie bedeutet Kompetenz
Finnland könnte global führend in der Klärung von Krankheitsgenen sein


>> siehe sonstige Innovationen

 

 
 

 

 

 
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