Finnfacts  
Die Finnland Story
I Historische Hintergründe Finnlands
II Finnland Heute
III Finnland und die EU
IV Finnland und die Weltwirtschaft
 

Finnland und die Weltwirtschaft
 

4.1 Investitionen der Industrie
4.2 Das ICT-Finnland
4.3 Starke Wettbewerbsfähigkeit

4.1 Investitionen der Industrie

Ausschlaggebend für das wirtschaftliche Wachstum sind Investitionen und mit diesen eingeführte neue Technologien. Die Investitionen der Industrie in Forschung und Entwicklung sind in Finnland in den letzten 10 bis 15 Jahren um durchschnittlich 10 Prozent im Jahr und damit schneller als in den anderen OECD-Ländern gewachsen. Mit diesem Tempo hatte sich Finnland zur Jahrtausendwende bereits in die Spitzengruppe der kleinen Industrieländer vorgearbeitet. Ein wichtiger Faktor, der die Investitionsstruktur der Unternehmen ab den 80er Jahren radikal veränderte, war auch die Internationalisierung.

Der finnische Export und die internationale Spezialisierung der Unternehmen basieren hauptsächlich auf in Finnland entwickelten Technologien; ausländische Technologiefirmen haben da vorläufig eine relativ bescheidene Rolle gespielt. In dieser Beziehung verfolgt Finnland eine deutlich andere Strategie als zum Beispiel Irland, dessen Wirtschaft sich weitgehend auf ausländisches Investitionskapital und importierte Technologien stützt.

Allerdings gewinnen auch in der finnischen Wirtschaft die ausländischen Unternehmen rasch an Bedeutung. In besonderem Maße gilt das für den ICT-Sektor, da ausländische Firmen und Financiers zunehmend in know-how-intensive finnische Unternehmen investieren.

In den späten 50er und den 60er Jahren erreichten die Investitionen völlig neue Dimensionen und blieben dann bis Anfang der 90er Jahre auf einem international gesehen relativ hohen Stand. Man war bestrebt, durch Aufstockung des für Produktionszwecke eingesetzten Kapitals schnelles Wirtschaftswachstum zu erzielen. Auch die Investitionen in den Wohnungsbau lagen in Finnland, teils wegen sehr reger Binnenmigration, ungewöhnlich hoch; sie betrugen in der Nachkriegszeit rund ein Fünftel der Gesamtinvestitionen und damit reichlich 5 Prozentpunkte mehr als in den Industrieländern im Schnitt.

In der zweiten Hälfte der 70er Jahre sank die Investitionsrate als Folge der Energiekrise in allen Industrieländern, auch in Finnland, wo sie aber bis Anfang der 90er Jahre im Vergleich zu anderen Ländern relativ hoch blieb um dann schroff abzufallen. In den späten 70er Jahren begann auch die Investitionsstruktur interessante Veränderungen zu zeigen. Der Anteil der Industrie an den volkswirtschaftlichen Investitionen ging zurück, und die Quote des Dienstleistungssektors stieg kräftig, besonders Ende der 80er Jahre. Im Dienstleistungsgewerbe kam es, verglichen an dem mit der ausländischen Produktion konkurrierenden Sektor, zur Schaffung übermäßiger Kapazitäten. Ab den 90er Jahren lag der Schwerpunkt des Investitionswachstums auf immateriellen Investitionen. Statt in Gebäude, Anlagen und Maschinen steckte man nun vermehrt Kapital in Know-how.
Die Veränderungen in der Verteilung des Kapitals auf immaterielle Entwicklungsinvestitionen zum einen und materielle Investitionen zum anderen sind mindestens ebenso bedeutsam wie die intersektoriellen Veränderungen. Die heutige einschlägige Forschung unterstreicht die Bedeutung der immateriellen Faktoren, das heißt des Könnens und Wissens, als Argumente des Wirtschaftswachstums.

Im internationalen Vergleich zeigt sich wieder die bereits bekannte Tendenz: Die so genannten weichen Investitionen waren im Finnland der 80er Jahre noch bescheiden, sind aber dann im letzten Jahrzehnt steiler gestiegen als in den Industrieländern im Durchschnitt. Die Industrieunternehmen haben in den letzten 20 Jahren ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung erheblich stärker erhöht als für Maschinen und Gebäude. Mit seinem Wachstum der F&E-Ausgaben der Industrie ließ Finnland in den 80er Jahren sämtliche Industrieländer hinter sich; das Niveau dieser Ausgaben liegt heute höher als in den meisten kleinen Industrieländern, aber noch deutlich zum Beispiel unter dem von Schweden.

Die Internationalisierung der finnischen Unternehmen setzte später ein als in den anderen Industrieländern, nämlich erst in den späten 70er Jahren, wobei jedoch in den 80er Jahren die Investitionen der finnischen Firmen im Ausland rasch wuchsen. Mit dem Wegfall der für Ausländer geltenden Besitzbeschränkungen Anfang 1993 und dem Beitritt Finnlands zur EU am 1.1.1995 begannen ausländische Unternehmen verstärkt in Finnland zu investieren. Dennoch beträgt auch heute noch der finnische Investitionsbestand im Ausland etwa das Doppelte des ausländischen Anlagebestands in Finnland.

 
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