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4.1
Investitionen der Industrie
4.2
Das ICT-Finnland
4.3
Starke Wettbewerbsfähigkeit
4.2 Das ICT-Finnland
Am schnellsten entwickelt sich von den Industrieclustern
in Finnland heute der Informations- und Kommunikationstechnik-Cluster
mit dem Nokia-Konzern als Kern, aber auch einem Netz
aus hunderten von kleinen und mittelständischen
Firmen und einem Betreiber- und Dienstleistungssektor.
Finnland ist innerhalb nur eines Jahrzehnts in die Spitzengruppe
der ICT-Produzenten und -Nutzer aufgestiegen. Gleichzeitig
erfuhr die Struktur der gesamten Wirtschaft und des
Exports eine grundlegende Veränderung. Finnlands
Wirtschaft ist von der kapital-, rohstoff- und energieintensiven
Produktion zur wissensintensiven Produktion übergegangen.
Sein Außenhandel mit Hightech-Produkten weist
ein deutliches Aktivsaldo aus, und sein F&E-Aufwand,
bezogen aufs BSP, gehört zu den höchsten in
der Welt. Finnland ist zu einem attraktiven Standort
für internationale ICT-Unternehmen geworden; man
sieht heute das Land als Pionieranwender neuer Technologien
und als wichtiges Zentrum der Forschung. Renommierte
internationale Unternehmen, wie zum Beispiel ICL, IBM,
Siemens, Hewlett Packard, Ericsson und Lotus, haben
in Finnland eigene Forschungseinheiten etabliert wie
auch ihre Zusammenarbeit mit finnischen Partnern ausgebaut
oder kleine Unternehmen der Branche in ihren Besitz
gebracht.
So hat sich der Kreis auch bezüglich des Auslandskapitals
geschlossen. Im 19. Jahrhundert brachten ausländische
Unternehmer ihr Wissen und Können nach Finnland,
heute gewinnen ausländische Firmen wieder an Bedeutung
- diesmal als Teil des in Finnland hoch entwickelten
ICT-Clusters.
Für den Aufstieg Finnlands zu einem der führenden
ICT-Länder gibt es viele Erklärungen. Die
Stärke des Telekommunikationssektors basiert weit
gehend auf der schnellen Einführung freien Wettbewerbs
in den 90er Jahren und dem schon zuvor stärker
als in vielen anderen Ländern umkämpften Binnenmarkt.
In Finnland hat es stets eine große Zahl von Telekommunikationsunternehmen
gegeben, am meisten in den 1930er Jahren, als neben
dem staatlichen Fernmeldewesen über 800 örtliche
Telefongesellschaften wirkten. In Finnland kam es im
Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern
nie zu einer Konstellation aus nur einem Netzbetreiber
und einem Gerätelieferanten. Die Netzbetreiber,
das heißt die Fernmeldegesellschaften, zwangen
die Gerätelieferanten zum Wettbewerb mit der Folge
schneller technologischer Entwicklung. Die im Binnenwettbewerb
gut platzierte Firma Nokia hatte dann auch an den Auslandsmärkten
Erfolg.
Neben freiem Wettbewerb am Telekommunikationsmarkt
und Deregulierung hat auch das finnische Forschungs-
und Ausbildungssystem die Entwicklung eines starken
ICT-Clusters gefördert. Dieser ist ein wesentlicher
Bestandteil des finnischen Innovationssystems, das Netzwerke
aus großen und kleinen Unternehmen sowie Zusammenarbeit
zwischen Forschung, Ausbildung und Unternehmen umschließt.
Technische Innovationen werden von den finnischen Verbrauchern
und Unternehmen seit je schnell aufgenommen. So weist
Finnland heute die größte Mobiltelefondichte
der Welt auf; über 70 Prozent der Finnen haben
ein Handy. Auch mit seiner Quote der Internetnutzer
hat das Land die Nase ganz vorn.
Die zentrale Aufgabe der finnischen Wirtschaftspolitik
besteht denn heute auch darin, für ständige
Erweiterung des Wissens und Könnens zu sorgen und
dem Land einen Platz in vorderster Front der Technologieentwicklung
zu sichern. Für ein kleines Land ist dies die einzige
Möglichkeit, im globalen Wettbewerb zu bestehen.
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