Finnfacts  
Die Finnland Story
I Historische Hintergründe Finnlands
II Finnland Heute
III Finnland und die EU
IV Finnland und die Weltwirtschaft
 

Finnland Heute
 

2.1 Schnelles Wirtschaftswachstum
2.2 Produktionsstruktur im Wandel
2.3 Unternehmensstrukturwandel
2.4 Internationalisierung
2.5 Starke Forstindustrie
2.6 Hohes Lebensstandard

2.5 Starke Forstindustrie

Die Erzeugnisse der Holzverarbeitungsindustrie verschafften Finnland Zugang zur internationalen Wirtschaft und Gemeinschaft. Noch in den 1920er Jahren beschränkte sich die Ausfuhr fast ausschließlich auf Schnittholz und Zellstoff: Von der Gesamtausfuhr entfielen 80 bis 90 Prozent auf Produkte der Holzverarbeitungsindustrie. Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre löste der Zellstoff- und Papiersektor die Sägeindustrie als wichtigste Exportbranche ab. Zwischen den beiden Weltkriegen war Finnland global einer der bedeutendsten Schnittholz- und Sperrholzexporteure.

Die Wiederaufnahme des Handels mit der Sowjetunion nach dem Kriege bedeutete eine Diversifizierung der Exportstruktur. Als Rohöl- und Rohstofflieferant zog die UdSSR großen Nutzen aus dem Ölpreisanstieg in den 70er und 80er Jahren; entsprechend war dann später der Ölpreisverfall einer der Gründe für den Zusammenbruch der Sowjetwirtschaft. In der ersten Hälfte der 80er Jahre nahm jedesmal, wenn die Ölpreise stiegen, auch der finnische Export ins östliche Nachbarland zu; geliefert wurden hauptsächlich Erzeugnisse der Metall-, Textil- und Bekleidungsindustrie.

Freilich wurde der finnische Gesamtexport noch Anfang der 70er Jahre deutlich von der Holzverarbeitungsindustrie dominiert, besonders an den westlichen Märkten, und noch in den frühen 90er Jahren erwirtschaftete diese Branche über die Hälfte der Nettoexporteinnahmen aus den EU-Ländern.
Infolge internen Strukturwandels hat sich die Wertschöpfung der von der Holzverarbeitungsindustrie ausgeführten Güter in den Nachkriegsjahrzehnten beträchtlich erhöht. Ihren Gipfel fand diese Entwicklung in den 80er Jahren, als Finnland zum unangefochten bedeutendsten Druck- und Schreibpapierexporteur der Welt avancierte. Die Exportgüter der Holzverarbeitungsbranche Finnlands haben heute im Schnitt einen deutlich höheren Veredlungsgrad als die des Hauptkonkurrenten Schweden.

Der Strukturwandel war allerdings mit hohem Investitionsaufwand verbunden. Die heute vorhandenen Kapazitäten repräsentieren technologische Spitzenklasse, und die Durchschnittsgröße der Maschinen liegt um ein Viertel höher als beispielsweise in Kanada und Schweden. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre setzte auf der Basis von Akquisitionen eine rasche Globalisierung der finnischen Papierindustrie ein, und die finnischen Unternehmen gehören auf ihren eigenen Gebieten zu den führenden der Welt.

Auch in der Maschinenbau- und Elektronikindustrie erfolgte in den 80er und 90er Jahren ein rascher interner Exportstrukturwandel. Die Elektronikbranche konnte in den 90er Jahren dank enormer Ausweitung der Ausfuhr von Kommunikationsgeräten ihren Ausstoß auf das Siebenfache erhöhen. Nokia mauserte sich zum bedeutendsten finnischen Unternehmen, das heute ein Viertel der Gesamtausfuhr des Landes bestreitet.

Die Elektronik- und elektrotechnische Industrie ist nun bereits mit 30 Prozent an der finnischen Ausfuhr beteiligt, die Papierindustrie nur noch mit knappen 25 Prozent.

In der Folge des Strukturwandels beim Export spezialisierte sich Finnland deutlich auf zwei Gebiete: den Holzverarbeitungs- und den ICT-Bereich.

 
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